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mac & apps | Welche Einschränkungen man bei der Exchange-Unterstützung von Snow Leopard in Kauf nehmen muss

June 13th, 2010 at 15:14

Zum Launch von Mac OS X 10.6 Snow Leopard hat Apple wenig Gelegenheiten ungenutzt gelassen, zu betonen, dass die Exchange-Unterstützung bei Snow Leopard in das Betriebssystem integriert ist. Mac-Anwender könnten sich damit nahtlos in die Exchange 2007-Umgebung ihres geschäftlichen Umfelds einfügen und wären damit selbst Windows-Nutzern “out-of-the-box” überlegen. Denn diese brauchen dafür erst eine Outlook-Lizenz.

Wie so oft bei einem zweiten Blick auf Apple-Produkte stecken auch hier leider die Schwierigkeiten in den Details, die man oft erst bemerken kann, wenn man Apple-Hardware oder die Snow Leopard-Lizenz gekauft hat und sich am Einsatz in der alltäglichen Praxis versucht. Da man sich die Informationen über Defizite in der Exchange-Unterstützung von OS X 10.6 nur mühselig an verschiedenen Stellen zusammentragen kann, sei im Folgenden auf ein paar Punkte hingewiesen, die für den einen oder anderen entscheidend in seiner Einschätzung sein kann, ob Mac OS X (ohne Office:mac-Lizenz) seinen Anforderungen an einen Exchange-Client gerecht wird.

Die Ausführungen sollen keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. Mangels transparenter Kommunikation seitens Apple ist es nur schwer möglich, darauf einzugehen, inwieweit Mängel durch Updates ausgemerzt werden. Darüber hinaus nutze ich selbst nicht alle Exchange-Funktionen im Alltag, so dass ich teilweise die eigenen Erfahrungswerte um die aus den am Artikelende aufgeführten Beiträge ergänze.

Exchange 2007 als Voraussetzung

Als Erstes ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass man nur in den Genuss der integrierten Exchange-Unterstützung kommt, wenn man einen Exchange 2007-Server einsetzt. Die noch weit verbreitete Version 2003 wird nicht unterstützt. Hier muss man Apple jedoch uneingeschränkt zugute halten, dass sie dies verhältnismäßig deutlich kommunizieren.

Die Exchange-Unterstützung, die (exklusiv) Mail.app bereits vor Snow Leopard hatte, beruht auf IMAP.

Die Einschränkung auf Exchange 2007 und neuer hat technische Gründe und hängt mit den verschiedenen Technologien zusammen, die ein Exchange-Server unterstützt. Neben den Klassikern wie POP3 oder IMAP, die sicher jeder Mail-Server unterstützt, sind hier vor allem Messaging Application Programming Interface (MAPI), Outlook Web Access (OWA) und Exchange Web Services (EWS) zu nennen.

Snow Leopards Exchange-Integration basiert ausschließlich auf EWS, das erst in Exchange 2007 eingeführt wurde. EWS zu wählen, ist sicher eine sinnvolle Entscheidung, da Microsoft in Aussicht gestellt hat, dass dieses Protokoll in Zukunft zu den wichtigsten Exchange-Protokollen zählen wird.

MAPI wird nicht unterstützt. Hinsichtlich OWA lässt sich Outlook Web Access in der Standardvariante und Outlook Web Access Light unterscheiden. Bei beiden handelt es sich um eine Outlook-Version, die sich als browserbasierter Exchange-Client zum leichteren Verständnis mit Webmail-Diensten wie Hotmail, Yahoo Mail, Google Mail etc. vergleichen lässt. Die Standardvariante kann nur im Internet Explorer genutzt werden. OWA Light ist deutlich eingeschränkter in den Funktionen, läuft jedoch auch in anderen Browsern wie Firefox, Chrome oder Safari.

Mit Outlook 2010 wird als Web-Interface Outlook Web App (zum Glück dieselbe Abkürzung OWA) eingeführt, dass mehr Exchange-Client-Funktionen unabhängig von dem verwendeten Browser bieten soll.

Eine Einschränkung hinsichtlich EWS ist wichtig und gegebenenfalls vorab mit der IT zu klären: EWS muss für eine Verwendung unter Snow Leopard durch den Administrator außerhalb des lokalen Netzwerks bzw. einer VPN-Verbindung freigegeben sein, da RPC over HTTPS nicht unterstützt wird.

E-Mail

Mail.app unterstützt einige Funktionen nicht, die je nach Anwendungsbereich relevant sein können. Richtig kompliziert wird das vor allem, wenn diese Funktion auch nicht von OWA Light unterstützt wird, so dass man zwingend auf eine Windows-Installation angewiesen ist: Entweder um diese Funktion über Outlook einzurichten bzw. zu nutzen oder um über den Internet Explorer Zugriff auf die vollwertige OWA-Version zu haben.

Eine Funktion, die weder Mail.app noch OWA Light unterstützt, sind serverseitige Filterregeln. Mail.app erlaubt es ausschließlich, lokale Filterregeln anzulegen und zu verwalten. Um serverseitige Regeln einzurichten ist man zumindest auf OWA – d.h. auf den Internet Explorer – angewiesen.

Des Weiteren können Öffentliche Ordner nicht unter Mail.app genutzt werden, obwohl sie seit Exchange 2007 SP2 von dem EWS-Protokoll unterstützt werden (Quelle: ITWriting.com). Eigene Erfahrungen habe ich mit Öffentlichen Ordnern nicht. In den nächsten Exchange-/Outlook-Versionen sollen sie an Bedeutung verlieren, in einigen Organisationen sind sie jedoch noch sehr wichtig und werden rege genutzt.

Automatische Abwesenheitsantworten (Out-of-Office-Nachrichten) lassen sich nicht in Mail.app konfigurieren. Jedoch ist der Zugriff über OWA Light in Safari/Firefox möglich.

Der Offline-Modus ist leider nicht sehr hilfreich umgesetzt: Besteht keine Internetverbindung oder ist der Exchange-Account in Mail.app offline geschaltet, werden die E-Mails zwar im lokalen Postausgangsordner zwischengespeichert. Jedoch werden sie nicht automatisch versandt, sobald man wieder online ist.

Mail.app kann keine E-Mails versenden, die größer als 20 MB sind, während dies über Entourage möglich sein soll. [Update vom 24.07.2010: Dies scheint an der Konfiguration des Exchange-Server zu liegen, da es sich um eine einheitliche Größenbeschränkung für alle Clients handelt, die über EWS auf den Exchange-Server zugreifen. Danke für den Hinweis, Martin.] Gleichermaßen scheinen Verteilerlisten in Exchange nicht von Mail.app erkannt zu werden und das Delegieren von Postfächern scheint nicht unterstützt zu werden. Eigene Erfahrungen habe ich mit diesen Punkten nicht gemacht, da ich diese Funktionen nicht verwende.

Zuletzt sei noch angemerkt, dass E-Mails in Mail.app nicht gepusht werden. Dies ist jedoch keinerlei Schwäche von Mail.app, da Push mobilen Endgeräten vorbehalten ist, die über das ActiveSync-Protokoll die Verbindung zum Exchange-Server herstellen.

Kalender

Ein paar Einschränkungen im Detail sind zu iCal bekannt: So beherrscht iCal es nicht, die Farben einzelner Kalendereinträge zu übernehmen (Quelle: ZDNet). Bestätigt man einen per E-Mail erhaltenen Terminvorschlag kann man nicht – wie unter Outlook gewohnt – die Antwort um eine persönliche Nachricht ergänzen (Quelle: ZDNet).

Gruppenkalender sollen sich über die Stellvertreteroption in iCal einbinden lassen (Quelle: apfeltalk). Als Randnotiz sei angemerkt, dass man einen freigegebenen Kalender nur über einen Umweg auf seinem iPhone einbinden kann, indem man diesen Kalender zum Beispiel skriptgesteuert ins iCalendar-Format exportiert und auf einen Webspace hochlädt (Quelle: apfeltalk).

Kontakte

Die globale Adressliste (GAL) ist nicht verfügbar, wenn man offline ist. Sie kann nur durchsucht werden, während eine Verbindung zum Exchange-Server besteht (Quelle: ZDNet).

Aufgaben und Notizen

Bei Aufgaben ist zu beachten, dass sie sich nicht per E-Mail verteilen lassen (Quelle: ZDNet).

Fazit

Die Exchange-Integration von Snow Leopard ist sicher für viele hilfreich, denen der Zugriff auf die im geschäftlichen Bereich oft vorzufindenden Exchange-Servern die Arbeit erleichtert. Es ist hilfreich, sich vorher über die Einschränkungen bewusst zu sein, die man einzugehen bereit sein muss.

Für das Jahresende hat Microsoft Outlook:mac 2011 und damit die erste Version von Outlook:mac angekündigt. Es bleibt spannend zu sehen, welche Vorzüge eine Exchange-Anbindung über Outlook:mac bringen wird.

Wenn Ihr ähnliche oder abweichende Erfahrungen mit Exchange unter Snow Leopard gemacht habt, würde ich mich freuen, davon zu hören!

Linksammlung

Apple-Homepage “Mac OS X Snow Leopard – Unterstützung für Exchange sofort nach dem Auspacken

Apple Support-Dokument HT3748 “Mac OS X 10.6: Microsoft Exchange 2007-Accounts (EWS) in Mail verwenden

Apple Handbuch “Einführung zu Snow Leopard“, S. 28-31 (PDF)

Kapitel 12 “Exchange und Snow Leopard” (ZIP) aus dem Buch “Mac OS X 10.6 Snow Leopard” von Anton Ochsenkühn, amac-buch Verlag

macnews.de-Artikel “Snow Leopard im Detail (7/12): Exchange und Snow Leopard

Macworld-Artikel “Snow Leopard and Exchange: it just works

ZDNet.de-Artikel “Mac OS X Snow Leopard: So klappt es mit Exchange” (inklusive ausführlicher Bildergalerie)

ITWriting.com-Artikel “Apple Snow Leopard and Exchange: the real story

Längerer Beitrag in Apples Supportforum mit Erfahrungsberichten zur Exchange-Unterstützung “Snow Leopard with Exchange support not working

Vergleich der Funktionen u.a. von Outlook Web Access und Outlook Web Access Light von der University of Pennsylvania: “Exchange Client Comparison

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9 Responses to “mac & apps | Welche Einschränkungen man bei der Exchange-Unterstützung von Snow Leopard in Kauf nehmen muss”

  1. Vali Says:

    Wow, vielen Dank für diese wirklich ausführliche Zusammenstellung. Auch mir war bisher nicht bewusst, welche z.T. doch starken Einschränkungen man bezüglich der Exchange Anbindung in Snow Leopard hat. Werde diesen Artikel sicherlich dem ein oder anderen potentiellen Anwender empfehlen.
    Nichtsdestotrotz finde ich es lobenswert, dass Apple in Snow Leopard eine doch recht weitreichende Unterstützung für MS Exchange out-of-the-box anbietet. Wenn sie auch die einzelnen Funktionen und eben auch die Einschränkungen zweifelsohne besser kommunizieren sollten.

  2. arno Says:

    Vielen Dank für die Rückmeldung! Freut mich, wenn der ein oder andere hilfreiche Punkt dabei ist.

  3. fidel Says:

    @arno

    Freut mich, wenn der ein oder andere hilfreiche Punkt dabei ist.

    isses auf jeden Fall.

    Leider neigen Post dieser Art oft zu wenig Rückmeldung – was deinen Artikel aber nicht schmälern soll. Danke auch von meiner Seite für den Beitrag.

    Gruss
    fidel

  4. Martin Says:

    Hi,

    kurze Anmerkung… ein Versand von Email mit Mail.app als auch mit Entiurage ist möglich. Dazu müssen jedoch die web.configs um einen Eintrag ergänzt werden. Hier der Auszug auf engl.: Here’s the technical instructions…..

    In addition to running the appropriate cmdlets to change message size limits in Exchange, you’ll need to edit web.config found in C:\Program Files\Microsoft\Exchange Server\ClientAccess\exchweb\ews. Open with Notepad (or your favorite text editor) and search for maxrequestlength. Change the value to reflect the size in kilobytes desired, then save the change.

    For good measure, edit web.config located in C:\Program Files\Microsoft\Exchange Server\ClientAccess\owa.

    Once both files have been edited open a command prompt and run the following commands:

    cd \Windows\System32\inetsrv

    appcmd set config “Default Web Site/ews” -section:requestFiltering -requestLimits.maxAllowedContentLength:[size in Bytes!]

    appcmd set config “Default Web Site/owa” -section:requestFiltering -requestLimits.maxAllowedContentLength:[size in Bytes!]

    iisreset

    Und dann noch eine kleine Anmerkung von mir : Beim SBS 2008 ist das OWA von „SBS web Applications“ gehostet! Nicht default Website!!

    Gruß
    Martin

  5. arno Says:

    @Martin:
    Super, danke für den Hinweis!

    Verstehe ich Dich richtig, dass die Größenbeschränkung von 20 MB für Anlagen Client-unabhängig ist und vielmehr durch “Policies” auf dem Exchange-Server vorgegeben ist?

  6. Martin Says:

    Hallo Arno,

    genau so ist es. Es läuft alles über die EWS, also den IIS 7.x. Die Größenbeschränkung der zu versendenden Anlagen wird also für die Mail Clients die ausschließlich EWS (Exchange Web Services) nutzen darüber gesteuert. Deswegen müssen auch die Web.configs und die OWA-Webseite angepasst werden (zusätzlich zu den Transporteinstellungen in den Hub-Transport).

  7. arno Says:

    Klasse, vielen Dank für die Erläuterung!

  8. palindrom Says:

    Vielen Dank für die ausführliche Berichterstattung! (Muß mich gerade beruflich mit Serverkauf beschäftigen). Scheint daher so zu sein, daß die Mac-Variante zurzeit noch nicht zum Einsatz kommen kann.
    Beste Grüße
    p.

  9. arno Says:

    @palindrom: Die beschriebenen Einschränkungen haben nicht mit einem Mac OS X-Server zu tun. Es geht ausschließlich darum, Mac-Clients mit einem Exchange-Server zu verbinden. Ist das missverständlich gewesen?

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